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Weiter so! – Oder doch nicht?

Üblicherweise ist der Beginn eines neuen Jahres auch der Zeitpunkt, um alte Zöpfe abzuschneiden und neue Dinge auszuprobieren. Es hat eine lange Tradition, z.B. abzunehmen, mit Sport zu beginnen, den Stress auf der Arbeit zu reduzieren oder eine bessere Führungskraft zu werden. Mit der Umsetzung ist das allerdings so eine Sache. Letztlich machen (fast) alle da weiter, wo sie Ende des vergangenen Jahres aufgehört haben. Business as usual. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und Veränderungen machen Angst oder sind zumindest lästig. Das gilt auch für Führungskräfte und ihr Wirken. Was hilft, um die Halbwertszeit von Vorsätzen & Co. deutlich zu verlängern, lesen Sie hier.

Dogmatisierung von Zielen und Zielerreichung

Im Prinzip sind Vorsätze ja eine gute Sache, wenn sie nicht gerade aus einer Bierlaune heraus entstehen. Ich habe letztes Jahr Menschen getroffen, die den Anstoß für mögliche Veränderungen schon weit vor Silvester erfahren haben, den Entschluss zur Umsetzung dann „zwischen den Jahren“ formuliert und das neue Jahr als Startpunkt definiert haben. Was mir dabei auffällt ist die häufige „Dogmatisierung“ der Vorsätze und der Wege zur Zielerreichung. Plötzlich fängt die ganze Welt an zu joggen, fünf mal in der Woche und wundert sich, warum das nach kurzer Zeit negative körperliche Auswirkungen hat und die Pfunde nicht purzeln. Oder Führungskräfte, die im neuen Jahr allen Mitarbeitern mehr zuhören wollen und weder mit den vielen Informationen etwas anfangen können, noch mit dem hohen zeitlichen Aufwand gerechnet haben. Dass die guten Vorsätze dann im Sande verlaufen, ist nicht wirklich verwunderlich.

Tipp 1: Ausprobieren statt dogmatisieren

Wie wäre es denn, wenn der Vorsatz mal nicht als smartes Ziel formuliert und höchst konsequent umgesetzt wird, sondern man sich erst einmal „ausprobiert“. Es gibt viele Wege, um abzunehmen. Joggen ist nur einer. Richtige Ernährung kann helfen, eine andere Sportart oder eine Selbsthilfegruppe sind weitere Möglichkeiten. Auch die Führungskraft kann sich zunächst auf einen Mitarbeiter beschränken, um das aktive Zuhören zu üben, oder ein Seminar zum Thema besuchen. Ausprobieren hat etwas mit experimentieren zu tun. Nicht jedes Experiment geht gut, aber einen Lerneffekt gibt es allemal. Wenn der beste Weg durch das Ausprobieren gefunden wurde, dann ist die Zielformulierung einfacher und die Zielerreichung sicherer. Für alle, die sich mit der Vorstufe des Experiments nicht anfreunden können: das Experiment kann auch als Zwischenziel festgelegt werden.

Tipp 2: Sequentielle Ziele einführen

Apropos Ziele: Der klassische Horizont eines Jahresziels sollte ebenfalls auf den Prüfstand gestellt werden. Warum denn nicht die guten Vorsätze für das neue Jahr hintereinander legen und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Zum einen wirkt die sequentielle Abfolge von Zielen der Überforderung entgegen, zum anderen halten unterjährig wechselnde, ggf. neu definierte Ziele Mensch und Organisation bzgl. (Markt-)veränderungen flexibel. In den ersten vier Monaten des Jahres steht z.B. Sport auf der Agenda, die folgenden vier im Zeichen des Abnehmens und die letzten vier verfolgen die Stressreduktion im Job. Auf der Business Agenda meines Unternehmens stehen für dieses Jahr ebenfalls drei Ziele, für jedes Tertial ein anderer Schwerpunkt, inkl. der notwendigen Flexibilität zur Anpassung der Ziele. Im ersten Tertial geht es um das Mindset von Führungskräften…

Tipp 3: Administrative Aufwände überschaubar halten

Die Dokumentation der Zielerreichung bei privaten Vorsätzen für das neue Jahr sollte per se überschaubar sein. Allerdings suggerieren elektronische Helfer allzu gerne das Gegenteil, so dass z.B. Sport machen mittlerweile sauber dokumentiert und in Statistiken abgerufen werden kann. Gut, wer Wettbewerb mit sich selbst oder anderen schätzt, der wird auf jeden Fall bedient. Das gilt für die gesamte Bandbreite an privaten Zielen. Im beruflichen Kontext sieht das nicht anders aus, alles wird dokumentiert, big data lässt grüßen. Im Außenverhältnis, z.B. bei der Erhebung von Kundendaten, ist das richtig und wichtig, im Innenverhältnis sollte ein vernünftiges Maß gefunden werden, um den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge zu legen. Jeder, der z.B. CRM Systeme nutzt, weiß, wovon ich schreibe.

Ich halte es für notwendig, dass wir uns selbst nicht überregulieren und uns mehr ausprobieren. Dazu gehören Mut und eine hohe Selbstkompetenz. Vielleicht fangen wir das Jahr ja mal damit an, uns selbst wahrzunehmen und unsere Verhaltensweisen zu reflektieren. Allesamt gute Voraussetzungen, die 3 Tipps in der richtigen Balance umzusetzen. Viel Vergnügen.

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