Ausnahmezustand -Täglich grüßt das Murmeltier

Täglich grüßt das Murmeltier – Der Chef im Ausnahmezustand

Gelegentlich ist ein „Kassensturz“ angesagt, um die eigenen Erfolge und Misserfolge zu reflektieren, die „Do’s & Don’ts“ für die Zukunft herauszufiltern und für die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens einzusetzen. Meine letzte Reflexion brachte mich auf Gespräche, Begebenheiten und Ereignisse, die ich im letzten halben Jahr mit Inhabern von Dentallaboren hatte. Das Besondere war, dass all diese Unternehmer unter großem Druck standen, aber keiner bereit war, sich von diesem Druck zu befreien. Was treibt Führungskräfte in den Ausnahmezustand? Und was bringt sie dazu, dass sie Problemstellungen zwar erkennen, aber letztlich nicht handeln?

Laborinhaber rund um die Uhr?

Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Abendessen mit einem Laborinhaber und dessen Ehefrau, die über die regelmäßigen Marathontage ihres Mannes im Labor klagte und einforderte, dass sie ihn gerne mal zu „normalen“ Zeiten zuhause sehen würde. Die Situation und deren Auswirkung war dem Ehemann durchaus bewusst, sogar die Gründe für die „Nachtschichten“ konnte er detailliert darlegen. Als letzte Instanz in seinem Labor sah er sich nicht nur für die Endkontrolle aller Arbeiten, sondern auch für deren Finish verantwortlich. Ganz nebenbei war er auch noch der hauseigene CAD/CAM Fachmann, der sogar Urlaube für die Konstruktion von Zahnersatz opferte.

Guter und schlechter Stress

Der Druck auf den Dentalunternehmer in meinem Beispiel ist immens. Gebraucht zu werden, verantwortlich zu sein, als Experte unter Fachleuten zu gelten, alles das sind Zutaten, die, richtig dosiert, zu enormen Leistungen anspornen. Eustress ist die Form von Stress, die wir brauchen, um selbst knackigste Aufgaben mit Leichtigkeit zu bewältigen. Es wird Druck auf unser System ausgeübt, den wir als positiven, leistungssteigernden Stress verstehen und verarbeiten. Das Gegenteil ist Distress, die Form von Stress, die uns nicht mehr zur Ruhe kommen lässt und Körper und Geist in permanenter Alarmbereitschaft hält. Dieser negative Stress kann auf Dauer der Gesundheit schaden und/oder das eigene Umfeld stark belasten. Vermutlich reicht die klagende Ehefrau in meinem Beispiel noch nicht aus, sondern es muss erst der persönliche Supergau eintreten, bevor der Stress ungesund wird und eine Änderung der IST-Situation eine Option sein sollte.

Stressresistenz auf allen Ebenen von Führung

Das Problem an einer solchen Stresssituationen und der damit einher gehenden Veränderung ist vielschichtig. Das hat einerseits etwas mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, andererseits mit der Führung seiner Mitarbeiter, der Organisationsstruktur im Unternehmen und letztlich auch mit der Zahnärzteschaft, die als Kunden Anforderungen an das Dentallabor stellen. Alle drei Ebenen von Führung sind betroffen, die Selbstführung, die Menschenführung und die Unternehmensführung. Kein Wunder also, dass besagter Unternehmer, so wie auch meine anderen Kassensturz-Beispiele, lieber so weiter macht und nichts an der Situation ändert.

Handlungsfähigkeit wieder herstellen

Handlungsfähigkeit (ich nenne sie gerne Handlungsschärfe) ist aber dringend notwendig, um als Mensch, als Führungskraft und als Unternehmer manövrierfähig zu bleiben. Zu viel negativer Stress führt zu Handlungsunfähigkeit. Um es dazu nicht kommen zu lassen, sind in der Reihenfolge Selbstführung, Menschenführung und Unternehmensführung Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Das geht manchmal nicht ohne fremde Hilfe, denn gerade im Bereich der Selbstführung sind Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion zwei Herausforderungen, die erst einmal gemeistert werden müssen.

Um in meinem Beispiel zu bleiben, sollte der Zahntechnikermeister und Laborinhaber zunächst sein Mindset in Sachen Vertrauen, Loslassen, Delegation, Zeit- und Lebensmanagement, etc. überprüfen. Danach wäre die Übertragung von Aufgaben inklusive Verantwortung an seine Mitarbeiter ratsam und schließlich sollte auch die Organisationsstruktur des Labors auf die vergrößerten Verantwortungsbereiche einzelner Mitarbeiter angepasst werden. Natürlich sind hier alle drei Führungsebenen betroffen und eine Umsetzung ist auch nicht über Nacht möglich, aber ein „weiter so“ ist zumindest aus Sicht der Ehefrau wenig ratsam. Das Murmeltier soll eben nicht täglich grüßen.

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