Von Typen und der Lösung von Konflikten

Es ist schon faszinierend, wenn ich in meinen Coachings auf das Thema Konfliktmanagement zu sprechen komme. Dabei geht es nicht primär um das Führen von Konfliktgesprächen und deren idealtypische Abläufe o.ä., sondern vielmehr um die handelnden Personen und ihre Präferenzen im Umgang mit Konflikten. Gemeint sind damit nicht die Handhabungsstile nach Berkel, die sich an den eigenen Zielen und Belangen und denen der Gegenpartei orientieren, sondern typologisch verankerte Denk- und Verhaltensweisen, die sich auch in Konfliktsituationen bemerkbar machen. Der Aha-Effekt kommt in der Regel dann, wenn ich darauf hinweise, wie unterschiedliche Typen mit Konflikten umgehen und wann sie für sie „gelöst“ sind. Ich fasse mir dabei gerne selbst an die Nase, weil ich, so denke ich jedenfalls, eher zu den Paradiesvögeln im Umgang mit Konflikten gehöre und gefühlt weit weg vom „Standard“ liege.

Es lebe die sachliche Konfliktlösung! Oder doch nicht?

Ich weiß nicht, wer oder was uns dazu veranlasst, dass wir grundsätzlich einen sachlich lösungsorientierten Ansatz in der Konflikthandhabung bevorzugen (sollten). Es geht um die Sachinformation hinter einem (emotional ausgetragenen) Konflikt, um Fakten und den Kern des Problems. Die gute Absicht ist es, dass die Sachlage, im Gegensatz zur emotionalen Lage, tatsächlich einer Lösung zugeführt werden kann. Streiten sich beispielsweise zwei Supermarktbesucher um einen freien Parkplatz in der Nähe des Eingangs, dann gibt es sachlich z.B. die Lösung, dass einer der beiden ein Stück weiter weg vom Eingang parkt. Problem gelöst, oder? Wenn das längere Stück Fußweg einem der beiden Kontrahenten nichts ausmacht, dann sicher. Wenn doch, dann ist diese sachliche Lösung im Kontext einer gemeinsamen Problemlösung nochmals zu überarbeiten. Ich stelle mir gerade schmunzelnd vor, wie zwei Supermarktbesucher auf dem Parkplatz gemeinsam eine sachliche Lösung erarbeiten. Wird es sicher geben, habe ich so aber noch nie erlebt. Was wäre also, wenn das Heil in dieser Situation gar nicht in der sachlichen Lösung liegt?

Paradiesvögel im Konfliktmanagement

Menschen gehen unterschiedlich mit solchen Situationen um. Außerhalb der rationalen Lösung einer konfliktbeladenen Problemstellung gibt es zum Beispiel meine Art und Weise der Konfliktbewältigung. Mir geht es um ein respektvolles Miteinander und um beiderseitiges Zuhören. Ich bin zufrieden, wenn ich offen über das Konfliktthema sprechen kann. Ist der Konflikt damit „gelöst“? Ja, ist er. Mein Fokus liegt eben nicht auf der Befriedigung von Zahlen, Daten und Fakten und der Herbeiführung einer sachlichen Lösung, sondern an der Sichtweise meines Gegenübers und bestenfalls dem Herstellen eines „Wohlfühlklimas“, auch wenn das Zeit braucht. Der Unterschied zwischen den beiden Gegenspielern ist klar, oder? Aus Basis von Emotionen blendet der rationale Konfliktlöser die Emotionen aus, nimmt sie nicht wahr oder leugnet sie sogar, für den emotionalen Konfliktlöser sind sie Teil des Konflikts und werden akzeptiert. Wenn ich in der Parkplatzsituation wäre und schaue bei meinem Kontrahenten um den Parkplatz in ein freundliches Gesicht, dann gehe ich gerne ein Stück weiter.

Und der Rest der ganzen Vogelschar

Dann gibt es noch die Typen, die schauen eher auf den Prozess der Konfliktlösung. Dabei geht es nicht primär um das Aussortieren und möglichst zügige Lösen aller Problemstellungen, sondern um die exakte Beschreibung des Lösungswegs. Hier ist der Weg das Ziel der Konfliktlösung. Der typologische Gegenspieler möchte eine intakte Beziehung als Wunschergebnis erzielen. Für ihn ist der Konflikt vorbei, wenn kein fader Beigeschmack mehr übrig ist, wenn sich die Konfliktparteien wieder in die Augen schauen und lächeln können. Auch hier stelle ich mir gerade bildhaft vor, wie ein prozessual getriggerter Problemlöser auf dem Parkplatz auf einen Typen trifft, der einfach nur in den Arm genommen werden möchte. Das ist jetzt bewusst überzeichnet, um die Brisanz der gegensätzlichen Typen in Konfliktsituationen klar zu machen.

Aha!

Fakt ist, dass für Typen wie mich ein Konflikt dann gelöst ist, wenn ein offenes Gespräch stattfinden kann. Mein Gegenspieler ist dann zufrieden, wenn die sachlich fachlichen Inhalte des Konflikts gelöst wurden. Der Unterschied zwischen meinem Typ und dem Typ, der gerne eine intakte Beziehung zu seinem Kontrahenten hätte, ist, dass ich ergebnisoffener damit umgehe und mich bereits wohl fühle, wenn es einen respektvollen Austausch gibt. Spannend, oder? Das hat so gar nichts mit der Leitungslösung eines sachlich lösungsorientierten Ansatzes zu tun. Das ist der Aha-Effekt in meinen Coachings, der mich oft zu dem eingangs genannten Paradiesvogel macht. Mir gefällt’s.

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