/ Führung

Von einem, der auszog, eine gute Führungskraft zu werden

Vor ein paar Tagen habe ich mich lange und intensiv mit einem Unternehmer in zweiter Generation über das Selbstverständnis seiner Mitarbeiter und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld unterhalten. Dahinter stand die Frage, was ein Unternehmer tun kann, um zu einem positiven Selbstverständnis des Einzelnen beizutragen und damit für ein positives Umfeld zu sorgen. In gedankenreicher Arbeit hat er Aspekte zusammengetragen, die Einfluss auf die positive Einstellung nehmen können. Dennoch erschien ihm sein Ansatz als nicht ausgereift und sollte daher auf den Prüfstand gestellt werden. Schließlich sollen die Führungskräfte des Unternehmens die Aspekte in ihre Teams tragen und leben.

Bei der Präsentation der unternehmerischen Arbeitsergebnisse hatte ich sofort zwei Gedanken, die mir durch den Kopf schossen.

Gedanke 1: Vereinfache das komplexe Gebilde.

Gedanke 2: Finde eine reduzierte Anzahl an wirksamen Hilfsmitteln zur Problemstellung

Selbststeuerung ist das A und O

Zufälligerweise hatte ich Tage zuvor einen Artikel zu den Mechanismen der Führung geschrieben und dem Unternehmer ans Herz gelegt. Demnach ist die erste Ebene von guter Führung die Selbstführung. Ohne den wertschätzenden und reflektierten Umgang mit sich selbst ist u.a. auch eine positive Einstellung nicht möglich. Damit sind wir zunächst auf der Ebene des Einzelnen, seiner Selbstwahrnehmung, seiner Selbstreflexion und seiner Selbststeuerung. Diese Ebene „verursacht“, wie sich die Führungskraft in der Interaktion mit anderen auswirkt. Und genau hier sollte gute Führung auch ansetzen. Bei der eigenen Persönlichkeit. Im Bereich der Selbststeuerung.

Zum einfacheren Verständnis der Führungspersönlichkeit

Vereinfachen wir das Gebilde. Die Kernkompetenz einer guten Führungskraft ist eine starke Selbstführung oder Selbstkompetenz. Sie wirkt sich direkt in der sozialen Kompetenz der Führungskraft aus. Diese beiden Kompetenzfelder machen sicher 80% einer guten Führungskraft aus. Die restlichen 20% entfallen auf die Fach- und Methodenkompetenz. Bedauerlicherweise werden sich Aus- und Weiterbildung zu einem hohen Maß auf die Steigerung der Fach- und Methodenkompetenz konzentrieren, mit etwas Glück auch auf die soziale Kompetenz, wenngleich Kommunikation und Co. gerne mit Methoden erklärt und untermauert werden. Auf der Strecke bleibt in der Regel die Selbstkompetenz, weil hier die Mittel der Weiterbildner eher beschränkt sind und der Betroffene überdies auch noch stark selbst gefragt ist. Aber genau hier muss unser Unternehmer ansetzen, um die gewünschte positive Einstellung zu erreichen.

Feedback geben und nehmen

Spätestens jetzt wird sich der Unternehmer schwer tun, direkt Einfluss zu nehmen. Was er aber kann, ist das Leisten von Hilfestellung bei der Selbstwahrnehmung und der Selbstreflexion. Es klingt nach altem Wein in neuen Schläuchen, aber strukturiertes Feedback und der Aufbau einer Feedbackkultur sind schon mal ein guter Anfang. Die Schwierigkeit hier ist, dass es a.) Zeit braucht, um den Prozess des Feedback Gebens und Nehmens zu etablieren und b.) insbesondere den Unternehmer in die Pflicht nimmt, Feedback tagtäglich zu leben. Letztendlich heißt das zwar immer noch nicht, dass sich der Feebacknehmer das Fremdbild zu eigen macht und seine Selbstführung umstellt, aber Denkanstöße schaden ja nicht und bewirken ggf. auf Sicht etwas. Schade ist nur, dass ich kein einziges Unternehmen kenne, in dem Feedback tatsächlich ein Teil der Unternehmenskultur ist. Ich bleibe trotzdem dran, auch für meinen Kunden!

Einsatz von Typologiemodellen

Ein Blick hinter die Kulissen der eigenen Persönlichkeit ist für den Betroffenen oftmals wirklich hilfreich. Man sollte meinen, dass das zum Standard einer guten Führungskraft gehört, das Gros

der Leader lernt aber lieber ein paar Methoden, ggf. um sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Zu hart? Eher Realität! Dabei ist Selbstwahrnehmung heute toolgestützt, Z.B. mit dem MBTI oder HBDI kein Hexenwerk mehr. Selbst der Zeitaufwand ist überschaubar und die notwendigen Erläuterungen im Selbststudium oder mit einem professionellen Coach stellen auch keine wirkliche Hürde dar. Im Ergebnis stelle ich immer wieder fest, dass jede typologisierte Führungskraft einen Nutzen hat. Für die einen ist es eine schwarz auf weiß „Stärken-/Schwächenanalyse“, für die anderen der Startpunkt, um noch tiefer in typendynamische Prozesse abzutauchen und mehr über sich selbst zu erfahren. Genau das habe ich meinem Kunden auch empfohlen, zumal es schon positive Erfahrungen mit Typologiemodellen aus der Vergangenheit gibt.

Beide Hilfsmittel arbeiten an der Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion, bestenfalls auch an der Selbststeuerung. Damit wird die Selbstführung auf die nächste Ebene gehoben und intrapersonale Prozesse in Gang gesetzt, die zu einer positiven Einstellung beitragen werden. Wer das Angebot dennoch dankend ablehnt und beim „business as usual“ bleibt, der wird seine Gründe dafür haben. Für den Unternehmer gibt das allerdings reichlich Hinweise zur weiteren Vorgehensweise.

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